Danke an Arne 22. Januar 2010
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Die letzten Tage hatte ich viel Post in meinem Email – Account mit vielen ungezählten Neuigkeiten, die ich Arne Nilsson zu verdanken habe, der so frei weg seine Möglichkeiten genutzt hat. Ich sag an dieser Stelle ein Riesendankeschön an dich. Leider ists bei mir auf Arbeit derzeit so stressig, dass ich zwar abends zum Lesen komme, aber nicht zum weiteren Bearbeiten der Infos. Das wird auf jeden Fall nachgeholt. Übrigens macht jetzt einiges Sinn. Adolph Bruhn, den meine Großcousinen immer besucht haben in Menzendorf, ist ja der Sohn von der Halbschwester ihrer Mutter, quasi ein “Halb-Cousin”. Mein Vater hat ihn noch kennengelernt und erinnert sich, von ihm als Jugendlicher mal gefragt worden zu sein, ob er der und der ist, aber er hat nicht gewußt, dass beide verwandt sind, dass hat ihm Adolph Bruhn nicht gesagt. So im Nachhinein werden meinem Vater jetzt etliche Begegnungen seiner Jugend klarer und vieles macht auf einmal Sinn.
Eine Reise nach Eriksberg III 16. Juli 2009
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Fortsetzung…
Inzwischen beherrsche ich das Jonglieren mit 3 verschiedenen Kameras (wegen der Objektive und der fehlenden Zeit zu wechseln) nahezu perfekt. Japanische Fotonitis extrema… Wir fahren den Weg von Utsikten zurück bis zur Kreuzung und biegen nach rechts in Richtung Eriksberg Hof ab. Dieses Jahr finden Umbauarbeiten im größeren Umfang statt. Eriksberg Vilt och Naturpark wurde an einen neuen Investor verkauft. So wie die Info-Tafeln aussehen, wird hier ab nächstes Jahr wohl das große Geldverdienenen losgehen. Der Parkplatz wurde verlegt, so dass wir etwas laufen müssen, um den Hof zu erreichen. Einige Gebäude kann man besichtigen. Ausgestopfter Elch, Bär, Hirschgeweihe… Ein wenig zum Umweltschutz, eine Indoor-Kartbahn für Kinder… Etwas seltsam mutet die Zusammenstellung schon an. Was hat eine Kartbahn in einem Wild- und Naturpark zu suchen? Irgendwie erinnert mich das alles an einen Erdbeerhof in der Nähe Rostocks, der inzwischen eine Art Disneyland mit überhöhten Preisen geworden ist. Ich fürchte, das steht Eriksberg wohl auch bevor. Einen Blick auf das Gutshaus erhaschen wir auch.
Die Wolken brauen sich weiter zusammen. Inzwischen kommen kühlende, aber heftige Windboen. Als wir den Hof verlassen, flüchtet eine Herde Hirsche durch hohes Sumpfgras hinter einen Felsen. Man kann nur noch die Geweihe sehen… lustig siehts aus. Wir folgen dem Rundweg weiter und gelangen schließlich nach Kyrkesta. Hier hat man in einer Hütte eine Art kleines Heimatmuseum eingerichtet. Die Autorin und Historikerin Bibbi Brorsson hat Fotos und die Geschichte der einzelnen Torpen, die zum Gut Eriksberg gehörten, zusammengetragen und hier ausgestellt. Man kann auf einem Rundweg zu Fuß etwa 400 m lang an den Resten der alten Torpen vorbeigehen, die hier gestanden haben. Sie sind exemplarisch für die anderen auf diesem großen Areal, darunter auch Kroksvik und Räfvakas / Rävakas. Auch hier machen wir Fotos. Doch es fallen die ersten Tropfen. Was sich da oben in der Hitze des Tages über uns zusammenbraut sieht gefährlich aus. Dunkelblaue, schwarze Wolken und Windboen. Die Sonne ist fast hinter den Wolken verschwunden. Ausgerechnet an dem Punkt, wo es für mich am interessantesten wird, müssen wir die ganze Aktion abbrechen. Meine Laune hat sich verfinstert wie die Wolken über mir. Regen oder auch Gewitter wäre ja nicht so schlimm. Man könnte es abwarten. Aber unser Auto hat bei Hitze, Staub, Erschütterungen plötzlich Probleme mit der Elektronik. Wir kriegen eines der vorderen Fenster nicht mehr zu, weil der elektrische Fensterheber ausgefallen ist. Vor uns liegen aber noch über 150 km Fahrt auf einer Europastraße und oben geht gleich ein Mordsgewitter los. Wir flüchten quasi ausrechnet an dem Punkt, der uns eigentlich hierher geführt hat. Welche Ironie. Mit einer enormen Geschwindigkeit habe ich in der Hütte fotografiert und springe ins Auto. Zurück gehts zum Ausgang. Dort laufe ich, während bereits vereinzelt Tropfen kommen, zum Kassenhäuschen und hole mir das Buch, was ich unbedingt haben wollte: “Eriksberg. Ett säteri i Blekinge genom 350 ar”. Die junge Verkäuferin weist mich darauf hin, dass es in schwedisch geschrieben sei. Ich erkläre ihr, dass ich ein wenig schwedisch spreche und sonst auch jemanden hätte, der mir beim übersetzen helfen kann. Sie macht sich Sorgen und empfiehlt mir ein gutes Wörterbuch und hofft, dass ich es verstehen werde. Ja, wie heißt es so schön in der Werbung “Eriksberg erleben unbezahlbar, für alles andere gibt es … -Card.” Von der Verkäuferin lasse ich mir noch den Weg zur nächsten Bilverkstad erklären. Jedoch hat diese schon zu, denn es ist inzwischen Freitag um 16.30 Uhr. Wir waren knapp 3 Stunden im Park.
Plötzlich kommt eine starke Windboe und weht den Sand quer über den Platz. Ich stehe in einer Staubwolke. Wir dichten das Fenster mit einer Frostschutzfolie notdürftig ab und rollen zurück Richtung Aryd. Auf dem Weg setzt das Gewitter ein. Starkregen prasselt auf uns hernieder. Wir fahren trotz allem zur Bilverkstad im Gamla Riksvägen. Doch dort ist erwartungsgemäß zu. Was soll ich sagen? Der ADAC-Auslandsservice funktioniert top. Uns wurde problemlos geholfen. Anderthalb Stunden später verlassen wir Aryd, den Gamla Riksvägen und fahren wieder auf die Europastraße.
Auf dem Rückweg denke ich nach. Die Natur ist einfach wunderschön, atemberaubend. Aber wenn man auf Landwirtschaft angewiesen ist, sind die Felder verdammt klein und in der Zahl sehr begrenzt. Die Zeit damals muss schwer gewesen sein. Zurück im Ferienhaus lese ich in dem Buch. Dort erfahre ich, dass Ururoma Inga Persdotter nach dem Tod der Eltern 1886 einer Witwe Obdach gegeben hat. Ich lese, zu welchen Konditionen die Torpare damals die Hütten bewohnen durften. Ingas Eltern haben die Hütte selbst gebaut, aber sie gehörte dem Gutsbesitzer. Sie mussten so und soviel Tage im Jahr arbeiten für das Gut, dazu noch Dünger fahren, Wege ausbessern, die Steuern selbst zahlen etc. Wenn sie sich nicht daran hielten, konnte der Gutsherr sie vor Gericht bringen. Tja, und dann finde ich dort noch den Inhalt des Vertrages mit Ola Hakansson. Er war der “Nachnutzer” von der Hütte, die Per Johnsson und Kjersta Mansdotter gebaut hatten. Der Vertrag beginnt am 1.1.1888, zu einem Zeitpunkt, als Inga noch in der Hütte lebte zusammen mit der Witwe, der sie Obdach bot. Inga ging nach Deutschland Ende Oktober 1888. Drei Tage später zog Ola Hakansson in die Hütte ein. Ola Hakansson konnte übrigens nicht schreiben, er unterschrieb mit den Anfangsbuchstaben, der Rest wurde von der Frau des Gutsbesitzers geschrieben.
Ich denke, dass Inga nach dem Tod der Eltern die Dienstleistungen nicht mehr erbringen konnte, die für das Bewohnen der Hütte gefordert wurden. Sie war unverheiratet, was es sicher nicht einfacher machte. Zudem wurde die Hütte an den nächsten gegeben, obwohl sie noch drin wohnte. Viel Landwirtschaft war in der Region sowieso nicht drin bei den kleinen Feldern, die auch nur in begrenzter Zahl da waren. Der felsige Boden tat sein übriges. Dagegen war und ist Skane ja ein reiches Gebiet Schwedens mit ertragreichem Boden und riesigen Feldern. Tja, und genau zu dieser Zeit war der Höhepunkt der Auswanderungswelle. Der Weg der Auswanderer führt von Kronoberg Län / Smaland genau den Gamla Riksvägen lang nach Karlshamn. Dort war damals einer der größten, wenn nicht der größte Auswandererhafen Schwedens. Viele gingen erstmal nach Deutschland, unter der Vorstellung, sich dort Geld für das Ticket nach Amerika zu verdienen und dann über Bremerhaven oder Hamburg in die USA auszuwandern. Inga sah wahrscheinlich ihre Situation und die Menschen, die auf der Straße an Aryd und Hällaryd vorbei nach Karlshamn zogen. Die Lösung lag quasi nahe. Ich kann nicht sagen, dass man Inga rausekelte, weil sich sicherlich nirgends die genauen Umstände herausfinden lassen, aber sicherlich waren da nicht viele Gründe zu bleiben. Sie verließ diese wundervolle Natur aus Felsen, Wasser und Wald, weil sie wohl kaum eine andere Wahl hatte.
Eine Reise nach Eriksberg II 16. Juli 2009
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Fortsetzung…
Ich stehe vor der Einfahrt zum Eriksberg Naturreservat. Als Sprachenbeauftragte der kleinen Reisegruppe steige ich aus dem temperierten Auto in die schwedische Backofenhitze und bezahle brav unseren Eintritt von 110 SEK für jeden vuxen. Bei Bedarf kann man kostenfrei CD oder Musikkassette für das Autoradio ausleihen, um auf Englisch oder Schwedisch während der Rundfahrt Erläuterungen zu bekommen. Dumm nur, wenn man weder CD noch MC im Autoradio hat… Es ging auch ohne. Wir folgen dem Weg durch das Eriksberg Naturreservat. Es geht rauf und runter, um Felsen herum, an riesigen Felsplatten vorbei, immer mitten durch den Wald. Die Temperatur ist bei offenen Autofenstern erträglich, der Speicherplatz auf den Camerachips ausreichend und der Motor des Autos stark genug, um uns die kurzen steilen Anstiege der Felsen auf dem Weg hinaufzuziehen. Im Wald verstreut sehen wir öfter Reste von Fundamenten aus Feldsteinen aufgeschichtet. Überall ziehen sich längere Feldsteinmauern hin, wohl, um früher Felder oder so voneinander abzugrenzen. Aussteigen ist in Eriksberg nur auf den Parkplätzen erlaubt. Ich fühle mich auch sicherer dort, im Bewußtsein, dass jetzt durch den Park auch Mufflons und Wisente sowie Wildschweine streifen. Bengt Berg hatte Ende der 1930er Jahre das Gut Eriksberg nach dem Tod des mir persönlich unsympatisch erscheinenden Gutsbesitzers Jeppsson gekauft und dort einen Zaun herumgezogen und Tiere gezüchtet und auch angesiedelt.
Wir kommen an einem See vorbei. Während wir die kühlende Brise genießen, verpassen wir fast das Dammwild, dass sich rechts an uns vorbei durch den Wald bewegt. Als wir ein Stück weiter um eine der vielen Kurven biegen, sehen wir einen anderen See. Es ist DER See mit den Seerosen, für die Eriksberg bekannt ist. Wir folgen dem Weg oberhalb des Ufers und kommen an einem der Lieblingsplätze der Wildschweine vorbei. Hier ist es schattig, direkt am Wasser und sie fressen gerade… mittendrin auch Frischlinge. In Deutschland hätte ich wesentlich mehr Respekt in so einer Situation, denn Bachen, die Frischlinge führen sind mit das Gefährlichste, was einem in deutschen Wäldern droht. Doch hier sind sie die Menschen und die Autos gewöhnt und wissen, dass die nur auf dem Weg bleiben (dürfen). Der Weg macht einen kleinen Anstieg und wir stehen plötzlich auf einem Felsplateau mit Blick über den See, der zu mindestens einem Drittel mit Seerosen gefüllt ist. Ganz weit hinten auf dem anderen Ende des ovalen Gewässers sehe ich einen weiteren Felsen. Später sollte ich erfahren, dass dort Rävakas gewesen ist. Mit dem Teleobjektiv schieße ich ein Foto nach dem anderen. Wir rollen weiter nach unten am Ufer entlang. So unglaublich schön ist das hier. Ich kann es gar nicht fassen.
Weiter geht es Richtung Utsikten. Links von uns schnattern Enten und Gänse auf einem anderen See. Es riecht auch nach… Endprodukten der Tiere. Warum auch immer… im Gänsemarsch überqueren Gänse und Entchen auf einmal den Weg, auf dem wir fahren wollen. Wir halten auch für Schnatterinchen. Immer wieder sehen wir während der Fahrt kleine Stücken, manchmal vielleicht nur 200 oder 300 qm groß, auf denen wohl früher Landwirtschaft betrieben wurde. Sorgsam steinfrei geräumt, rundherum die Steine zu Mauern aufgehäuft, in der Nähe Reste von Fundamenten auch aus Steinen. Es geht wieder bergan. Plötzlich stehen wir auf einem Parkplatz. Aha, hier ist das Aussteigen erlaubt. Als ich das Auto verlasse und auf dem Felsplateau umherlaufe, werde ich überwältigt von dem Ausblick, der sich mir bietet. Wir stehen oberhalb der nördlichen Maravik, haben einen Blick auf beide Durchfahrten zur Ostsee, vor uns liegt Dragsö. Das ist Skandinavien. Felsen, Felsbrocken, Wasser, Wald. 2 Schwäne erheben sich aus dem Wasser. Ich kann es kaum in Worte fassen. Diese Schönheit ist atemberaubend.
Rechts am Parkplatz, also in westlicher Richtung steht ein Häuschen mit der Aufschrift Toalett. Als ich durch die offene Tür sehe, kann ich zur anderen Seite wieder hinausgucken. Ein Plumpsklo mit Aussicht. Dort unten am Fuße dieses Hanges so überlege ich später, könnte Tegelbruket Mara gewesen sein. Sicher bin ich mir aber nicht. Später erfahre ich auch, wo Kroksvik gelegen hat. Auf der anderen Seite der Maravik auf der westlichen Halbinsel, auf der der Ostsee zugewandten Seite.
Hinter uns rotten sich immer mehr Wolken zusammen. Wir sehen es blitzen in den Wolken. Es ist trocken und warm, heiß auf den Felsen. Immer noch wie im Backofen. Damit wir uns den Rest des Parkes noch trocken ansehen können, geht es schnell weiter. Dabei wäre ich gerne noch dort geblieben und hätte mich weiter staunend in die schwedische Natur gestellt.
Fortsetzung folgt…
Eine Reise nach Eriksberg I 15. Juli 2009
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Das Fahren auf der E22 bei Kristianstad ist noch etwas hektisch. Die Schweden nutzen jede zweispurige Gelegenheit, die auswärtigen Touris zu überholen. Nach Kristianstadt in Skane zieht es uns heute aber nicht. Wir wollen einige Kilometer weiter nach Osten. Also folgen wir dem Lauf der E22 von Skane nach Blekinge. Mit einem Anlauf von etwa einem Jahr haben wir es diesen Sommer endlich geschafft: Wir sind in Schweden, haben Urlaub und alle Zeit der Welt, uns einmal Eriksberg Naturreservat anzusehen. Genau da, wo heute ein Naturreservat liegt und demnächst eine Art Natur-Vergnügungspark Blekinges entsteht, da haben unsere Vorfahren gelebt und gearbeitet, bis sich eines Tages meine Ururoma Inga Persdotter entschied das Land zu verlassen und nach Deutschland zu gehen.
Hinter Kristianstadt sehe ich in nördlicher Richtung wie die Landschaft schlagartig aus der Ebene ansteigt. Bewaldete Hügelketten erheben sich aus dem platten Land, das mich an die Ebenen Nordfrieslands erinnert. Rechts und links der Straße sind Felder mit Weizen, Hafer, Mais, Erdbeeren, Rüben. Überall stehen Beregnungsanlagen. Der Sommer ist in dieser Ecke wohl recht trocken dieses Jahr. Wir folgen dem Lauf der E22 und passieren Bromölla und Sölvesborg. Für eine Urlaubsregion wirkt mir Sölvesborg recht industrialisiert. Immer mehr größere und kleinere Felsen säumen die Gegend. Es ist diese Art von Felsgestein, die für Skandinavien typisch ist. Als wir durch Pukavik kommen, kann ich die Pukavikbucht vom Auto aus sehen. Der Ort wirkt nicht sehr heimelig, die Europastraße führt mitten durch ein Ferienhausgebiet. Ich bin froh, aus dem großen Katalog eines dänischen Ferienhausvermieters kein Haus in diesem Ort gewählt zu haben. Mit Siebenmeilenstiefeln nähern wir uns Karlshamn. Immer öfter tauchen die von mir so geliebten Elch-Warnschilder am Straßenrand auf. Die Landschaft hat sich gewandelt. Wir fahren fast nur noch durch Waldgebiete. Rechts und links der Straße erkennen wir die Leistung der einstigen Erbauer: Die E22 wurde teilweise durch Felsen hindurch gesprengt. Ich bin etwas sauer auf die Reiseliteratur, die ich gelesen habe. Sie konnte mir keinen wirklichen Eindruck von dieser Region vermitteln. Dabei ist es doch so einfach zu beschreiben: Stell dir eine Straße vor, wo links und rechts Wald ist, unterbrochen durch ein paar Siedelungen und mal durch eine Stadt und wo alle paar hundert Meter Felsen rumliegen oder du mitten hindurchfährst. Auf der Höhe von Karlshamn werde ich zunehmend nervöser. Weit kann es nicht mehr sein. Abfahrt 53 Richtung Hällaryd fliegt an uns vorbei. Ich beiße fast in die Kameratasche. Ab jetzt beginnt die Zeit der Japaner-Fotonitis – Abdrücken und alles halbwegs interessante auf den Chip bannen und alles in sich aufsaugen. Endlich ist sie da, die Abfahrt 54 Aryd “Daaaaaaaaaaaa!”. Wir rollen von der Europastraße die Abfahrt hinunter und folgen zunächst nicht dem Schild nach Eriksberg an der Kreuzung nach rechts sondern fahren nach links unter der E22 hindurch in den kleinen Ort hinein.
Das also ist Aryd. Huch, schon wieder draußen. Es ist anders als ich mir vorgestellt habe. Irgendwie so klein und die Häuser so… es erinnert mich an Dörfer in Mecklenburg aus denen die Stadtflucht in Regionen mit mehr Arbeit eingesetzt hat, nur halt auf schwedisch. Wir finden wieder zurück zur Mitte des Ortes und parken erstmal dort, wo wir glauben, es sei erlaubt. Es empfängt uns eine Hitze wie im Backofen. Klimaanlagen in Autos sind was feines. Draußen herrschen 30 Grad und praller Sonnenschein. Ich rette mich zunächst in den Schatten vor einem Haus. Eine Kirche, dazu der Friedhof, gleich daneben die Schule mit asphaltiertem Schulhof und einem Basketballkorb und auf der anderen Straßenseite die Förskola. Dazwischen ein Fußgängerüberweg und an der Straße auch eine Bushaltestelle. Der ICA Dorfkonsum wurde vor längerer Zeit wohl schon dicht gemacht. Hat sich wohl nicht mehr gelohnt. Wir gehen hinüber zur Kirche und dem Friedhof. Einige Einheimische sind dort und pflegen Gräber. Interessiert gucken sie zu uns, die mit VideoCam und Fotoapparat bewaffnet neugierig und ehrfürchtig den Friedhof betreten. Nach 5 Minuten Grabsteine ansehen in der prallen Sonne habe ich das Gefühl, bei längerem Verweilen in diesem Backofen bald ein Kandidat für die Patientenseite in Karlshamns Sjukhuset an der Abfahrt 52 zu sein. Es ist unglaublich heiß, nicht ein Windhauch ist zu spüren. Kaum ein Mensch, der irgendwo zu sehen ist. Naja, wir haben es halb zwei Uhr mittags. Jedem anderen hätte ich geraten, Siesta zu halten wie in den warmen Ländern… Ich flüchte mich in den Schatten hinter der Kirche. Hier ist es auszuhalten und angenehm. Nach einer Weile haben wir alle Grabsteine angesehen, sogar die ausgemusterten der aufgelösten Gräber. Leider habe ich weder den von Kjersta (Kjersti) Mansdotter noch den von Per Johnsson (Jonasson) gefunden. Grabsteine, auf denen “Eriksberg” vermerkt ist, finden sich nur 3 oder 4, doch die helfen mir nicht weiter. Ich vermute, sie waren so arm, dass sie sich keinen Grabstein leisten konnten und Holzkreuze an ihrem Grab standen. Die sind längst verwittert und existieren nicht mehr.
Da im Ort außer der Kirche nichts weiter zum Ansehen ist, beschließen wir uns wieder ins Auto zu unserer Klimaanlage zu flüchten. Wir fahren auf dem Gamla Riksvägen in Richtung Hällaryd. Der Weg führt durch einen Wald und vorbei an Felsen, die größer als Häuser sind. Zwischendurch sind ab und an kleinere Felder oder Weiden. Die kann man in der Größe einfach nicht mit den riesigen Äckern in Skane vergleichen. Wir fahren durch Hällaryd, wollen aber wegen der Hitze nicht aussteigen. Ich habe das Gefühl, zu glühen, merke, dass ich ein Flüssigkeitsdefizit habe. Die Kirche von Hällaryd ist noch etwas schöner als die von Aryd und die Häuser sind hier viel hübscher, der Ort ist viel lebendiger. Hinter Hällaryd nach Norden scheint die schwedischen Wildnis zu beginnen, der Wald scheint endlos. Wir kehren um und machen in dem Wald zwischen Aryd und Hällaryd Pause. Trinken, trinken, trinken… die Klamotten kleben an uns. In Kenia ist es auch nicht wärmer. Sowohl in Aryd als auch in Hällaryd sieht man beim Blick nach Norden, wie die Landschaft sehr schnell ansteigt, fast wie Bergkämme würde ich als Norddeutsche sagen. Mißtrauisch beäuge ich einige Quellwolken, die dabei sind, sich zusammenzurotten. Die Klimaanlage unseres tapferen Autos läuft auf Hochtouren, um 28 Grad Innentemperatur zu erreichen. Wir rollen weiter zurück nach Aryd und folgen dem Gamla Riksvägen bis zum Abzweig nach Eriksberg. Dort biegen wir nach Guövik ab. Hier sehen wir eine Bucht und endlich bewegen sich mal die Blätter der Bäume. Auf engen Straßen folgen wir den wenigen Hinweisschildern nach Eriksberg. Dafür, dass man jetzt anfangen will, dort das große Geld zu verdienen, ist es zum einen nicht besonders gut ausgeschildert, zum anderen sind die Straßen extrem schmal. Zwei Autos, die aneinander vorbei wollen, erfordern an manchen Stellen schon etwas Geschick der Fahrer. Vorbei geht es an Häusern in klassischer schwedischer Sommerstuga-Bauweise und an Massivhäusern. Wir folgen dem Weg und stehen schließlich auf auf einem Parkplatz vor einer Schranke. Ab hier beginnt Eriksberg Naturreservat.
Zurück aus Schweden 14. Juli 2009
Posted by oldoerpancestors in Allgemein, Meine eigenen Vorfahren - my own ancestors.3 comments
Bin zurück aus Schweden. War in Eriksberg. Beeindruckend. Einfach wunderschön dort. Demnächst gibts auch einen ausführlichen Bericht an dieser Stelle. Hab Informationen sammeln können, aber leider auch gleich Fehler dabei gefunden. Und ich habe herausgefunden, dass Inga Persdotter wenig Wahlmöglichkeiten hatte damals und mehrere Gründe, diese wunderschöne Gegend in Blekinge Län zu verlassen. Naja, sonst gäbs ja mich und einige andere nicht
@ Arne: Bist du einigermaßen sicher, was die Eltern von Inga Persdotter angeht?
@ Karin: Woher hast du die Informationen über die Upahls / Inga Persdotter? Bist du auch eine Nachfahrin?
Lebenszeichen 20. Juni 2009
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Also wieder mal ein kurzes Lebenszeichen. Die Familiengeschichte musste die letzten Monate etwas ruhen. Der Job forderte viel Zeit. Aber ich habe einen Plan… diesen Sommer soll es gen Norden gehen auf die andere Seite der Ostsee. Mal gucken, wo Ururoma Inga herkam. Und mal gucken, wie das Land dort eigentlich ist. Ich werde Euch berichten…
Begonnen: Liste der eigenen Vorfahren 27. September 2008
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Ich habe eine neue Unterseite in diesem Blog eingerichtet (ganz oben neben home – about me – namen – orte etc.), auf der ich eine kurze Liste meiner Vorfahren veröffentlichen möchte, damit ich anderen Suchenden die Möglichkeit geben kann, zu sehen, ob wir gemeinsame Anknüpfpunkte haben. Die Liste ist bisher nur bis zur 5. Generation (rückwärts…) vorhanden. Mehr Zeit hatte ich jetzt erstmal nicht. Aber das dürfte eigentlich für die meisten Zwecke ausreichen.
http://oldoerpancestors.wordpress.com/liste-direkte-vorfahren/
Ich wäre jedem, der dort einen Namen seiner eigenen Vorfahren erkennt, dankbar, wenn er sich über ein Posting oder per Email meldet, damit wir unsere Internetseiten oder Blogs verlinken können. Und natürlich weil ich neugierig bin, wer da noch so vom selben Bauern oder Knecht abstammt…
Ganz besonders freuen würde ich mich über Dinge bzw. Kontakte zu Oldörps und zu schwedischen oder schwedisch-stämmigen Nachfahren der gleichen Vorfahren. Sagt mal, gibts dafür eigentlich eine kürzere Umschreibung?
For english speaking visitors:
There is a new site in this blog with a list of a part of my ancestors (“Liste Vorfahren). If you have the same ancestors please contact me (comment or email), english is no problem, that we can communicate.
Dank und kurze Zusammenfassung 7. September 2008
Posted by oldoerpancestors in Meine eigenen Vorfahren - my own ancestors.Tags: Ahnenforschung, Familienforschung, Persdotter, Upahl
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Zuallererst möchte ich ein großes Dankeschön an Arne Nilsson loswerden. Er hatte sich vor einiger Zeit hier gemeldet und hat die gleichen Vorfahren. Durch seine gesammelten Infos erfuhr ich nahezu alles über meine schwedischen Vorfahren in der Region Blekinge in Südschweden und bin happy.
In der nächsten Zeit werde ich nach und nach die Infos zu meinen Vorfahren online stellen, entweder hier oder dann tatsächlich mal die Homepage nach etlichen Jahren Nichtstun in der Beziehung überarbeiten. Ich weiß noch nicht genau, mal sehen.
Dann hat sich Thies Upahl bei mir gemeldet. Upahl ist ein extrem seltener Nachname in Deutschland. Das ist schön… wenn man forscht, gibt halt nicht so viel Auswahl…
Inga Persdotter (geb. 02.03.1858 in Kroksvik, Eriksberg, Blekinge Län, Sverige), meine Ururoma aus Schweden hatte ja wie im vorvorletzten Posting erwähnt, am 22. Januar 1889 August Heinrich Adolph Upahl (ca 1845 in Lockwisch - 12.09.1921in Schönberg) in Lübseerhagen geheiratet, nachdem sie im Herbst 1888 nach Deutschland ausgewandert war. Sie lebten und arbeiteten damals auf Hof Menzendorf als Dienstmädchen bzw. Arbeiter. Menzendorf liegt östlich von Schönberg / Mecklenburg. Die zugehörige Kirche steht in Lübseerhagen, einen Steinwurf weit entfernt. Landschaftlich wunderschön, ok, man muss sich noch die A 20 wegdenken
. Das sind Fakten, die ich inzwischen weiß.
Inga Persdotter und August Heinrich Adolph Upahl hatten soweit ich es rausfinden konnte mindestens 4 Kinder: Alma Upahl (geboren 20. Sept. vermutlich 1889 bis 1891, genaues Jahr nicht sicher, gest. 1966/67, verheiratet mit Ludwig Bibow, einem Mitbegründer der Konsumgenossenschaft in Schönberg / Meckl., lebten in Schönberg), Emma (verh. Steen), Frieda und einen Sohn, der vermutlich Hans hieß (sofern die gemeinsamen Erinnerungen an die Erzählungen stimmen). Letzterer war Chauffeur bei einem Herrn in Klütz, einer der ersten Chauffeure und fiel im 1. Weltkrieg. Alma hat Heimarbeit gemacht und Bettwäsche und Taschentücher genäht für einen Laden namens Diersen. Entfernte Verwandte (ob nun von Alma Upahl oder Ludwig Bibow weiß man nicht mehr) sollen Wiggers in Klein Bünsdorf gewesen sein, deren Tochter in Schönberg / Meckl. in der Marienstraße lebte. Außerdem gibt es verwandtschaftliche Beziehungen nach Grieben b. Schönberg zu einem Adolph Bruhn und Bertha, wohl auch Bruhn (Ehemann soll Melker gewesen sein) und zu einem Rolf Upahl, das müsste der Sohn von dieser Bertha und einem Wilhelm sein, Nachname unbekannt. Eine Recherche im OFB Lübsee ergab, dass es einen Johann Joachim Bruhn (1865 in Grieben – 1950 in Grieben) gegeben hat, der eine Catharina Upahl aus Menzendorf (1875 – 1927) geheiratet hat und die zusammen Kinder hatten: Bertha Bruhn, Elise, Emma, Käthe, Martha, Wilhelm, Heinrich und Adolf. Ich war auf dem Friedhof von Lübseerhagen und fand die Grabsteine der Familie. Das Gute dort ist, dass viele aus dem 19. Jh. noch erhalten sind! Das sind Dinge / Fakten, die ich inzwischen auch weiß, teils aus Urkunden teils von Familienerinnerungen.
Ich habe eine Liste im Internet gefunden bei http://www.pfhl.de/ , wo Hans August Joachim Upahl in einer Gefallenenliste auftaucht, der von Beruf Chauffeur war und in Klütz lebte. Geboren wurde er am 12.02.1894 in Menzendorf, gestorben 08.06.1917 in St.Quentin (Infanterieregiment 90) (siehe auch Posting “Suche nach Hans August Joachim Upahl”). Vom Ort und zeitlichen sowie den Umständen her, treffen viele Punkte zu, die vermuten lassen, dass er der Bruder von Alma, Emma und Frieda Upahl ist. Das ist eine Vermutung.
Thies Upahl schreibt als Kommentar: “Mein Ururopa Wilhelm Friedrich Upahl ist am 20.05.1889 bei Schönberg geboren. Dann könnte es doch möglich sein das mein Ururopa der Bruder von Hans August Joachim Upahl und Alma Upahl ist!?” und “Mein Urururopa August Heinrich Adolf Upahl, geb 27.02.1849 in Lockwisch bei Schönberg”. Das sind Fakten, die Thies Upahl weiß.
So, jetzt versuche ich mal, das ganze Chaos der überlieferten Erinnerungen und Fakten in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. Ihr dürft natürlich mithelfen. Mein Ururopa August Heinrich Adolph Upahl ist ca 1845 in Lockwisch geboren worden, wenn man von der Abschrift der Sterbeurkunde ausgeht, die mir vorliegt. Thies’ Urururopa August Heinrich Adolf Upahl ist am 27.02.1849 in Lockwisch geboren. Hmmm… Brüder? Die gleiche Person? Ort stimmt, Geburtsjahr nicht, aber is dicht bei. Thies’ Ururopa Wilhelm Friedrich Upahl ist am 20.05.1889 bei Schönberg geboren. Inga Persdotter kam im Herbst 1888 (wohl Oktober) aus Schweden, heiratete im Januar 1889 August Heinrich Adolph Upahl. Hieße bei 9 Monaten Schwangerschaft, dass Inga schon im August 1888 schwanger geworden sein müsste, demzufolge in Schweden. Da müsste sie im Oktober 1888 gewusst haben, dass sie schwanger ist als sie nach Deutschland kam. Den Überlieferungen nach wurden schwangere Frauen gleich wieder von Lübeck nach Schweden zurückgeschickt, wobei man im 2. Monat ja noch nicht allzuviel sieht… Gehen wir vom angenommenen Minimum der Überlebensfähigkeit zu damaliger Zeit aus, dürfte Inga maximal im Oktober schwanger geworden sein. Hmmm… kann das hinhauen? August Heinrich Adolph Upahl dürfte in jedem Fall zumindest rechtlich als Vater gelten, da sie zum Geburtstermin verheiratet waren. Aber ziemlich knapp ist die Zeit schon. Oder aber es spricht für eine extrem schwere Zeit in Inga Persdotters Leben.
Auf gehts, es ist Zeit für weitere Vorschläge…
PS: farbliche Markierungen zu besseren Unterscheidung der Herkünfte der Angaben
Search for informations about Inga Persdotter 2. August 2008
Posted by oldoerpancestors in Allgemein, Meine eigenen Vorfahren - my own ancestors.3 comments
I was searching for informations about Inga Persdotter, born 02.03.1858 in Aryd near Karlshamn (Blekinge, Sweden) in the swedish DISBYT database. All of these informations in the database had been collected by members of DISBYT. I was searching also for the parents Kjersti Mansdotter, born 09.01.1821 and Per Johnsson, born 21.11.1819, both born in Aryd near Karlshamn (Blekinge, Sweden). All I could see in the database had been the name and the location, but no information about the persons I could contact and ask because I’m not a member of DISBYT. So I have to chose this way because I don’t want to tell my credit card number to the internet.
If there is anyone outside in this world who knows something about:
Inga Persdotter, born 02.03.1858 in Aryd near Karlshamn (Blekinge, Sweden), emigrated to Germany (Schönberg, Menzendorf) near Lübeck,
and her parents
Kjersti Mansdotter, born 05.01.1821 in Aryd near Karlshamn (Blekinge, Sweden)
Per Johnsson, born 21.11.1819 born in Aryd near Karlshamn (Blekinge, Sweden)
please contact me (e.g. add a comment). It would be a pleasure for me to get informations about these persons.
Ururoma Inga aus Schweden 2. August 2008
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Ein Teil von mir ist schwedisch. Welcher nun genau, weiß ich auch nicht. Aber das “Wikingerblut” steckt in mir
Wir wussten bisher nur, dass meine Ururoma, also die Oma meiner Oma aus Schweden kam. Sie war ausgewandert nach Deutschland während der großen Auswanderungswelle aus Schweden und landete in der Region Schönberg / Mecklenburg. Dort traf sie meinen Ururgroßvater. Über den ich leider auch nichts wusste. Es wird berichtet, dass man im Winter Probleme hatte, weil die Wölfe über das Eis auf die Schären kamen. Diese Geschichte hat ihre Tochter, also meine Uroma immer meinem Vater erzählt. Viel mehr weiß man auch nicht in der Familie. Nur den Namen Inga Persdotter.
Ein kurzes googlen liess mich verzweifeln. Aufgrund des schwedischen Namenssystems vergangener Jahrhunderte gab es etliche, wohlmöglich sogar hunderte Inga Persdotter. Diese Spur führte mich nicht weiter. Dann fand ich bei meiner Tante eine alte Bibel aus Schweden, gedruckt in Göteborg, die Inga Persdotter gehört hat. Darin las ich neben dem Namen der Besitzerin ein Datum: född 2. März 1858. Ihr Geburtsdatum. Irritierenderweise steht dort in Kinderschrift Inga Pärson. Wieso -son? Sie müsste -dotter heißen nach dem Schwedischen Namenssystem zu damaliger Zeit. Wieder gegoogelt. Nichts gefunden. Auch nicht das wiederholte suchen im Ortsfamilienbuch der Region Schönberg, wohin sie aus Schweden auswanderte, half mir weiter. Online gab es nichts über sie. Auch die schwedische Datenbank – online und kostenpflichtig per Kreditkarte – war für mich kein Ziel. Wie sollte ich sie unter all den anderen Inga Persdotter da finden? Ich müsste das ganze Land durchsuchen. Das könnte ewig dauern.
Auf weibliche Linien wird in der Ahnenforschung eigentlich nicht so viel wert gelegt, mag man den Eindruck haben, aber in diesem Falle lege ich eine Menge wert drauf. Ich wollte gerne wissen, wo sie herkam. Wenn ich schon ihre Spur hier in Deutschland nicht verfolgen konnte, wollte ich wenigstens wissen, wo sie herkam. Ich würde mir gerne die Gegend dort einmal ansehen. Ich bin urlaubstechnisch gesehen skandinavophil. Da kann man doch mal seine Pläne dementsprechend gestalten. Doch dazu fehlten mir die Informationen.
Ein Tipp meiner Cousine Sara brachte mich dann darauf, eine Verwandte in Lübeck zu fragen. Wenn einer etwas wissen konnte, dann sie. Wieso war ich da eigentlich nicht eher drauf gekommen? Und Tante Edith war trotz eines angeschlagenen Gesundheitszustands so lieb mir einen kurzen Brief zu schreiben und 3 wichtige Dinge beizulegen: Abschriften von Urkunden, in denen das stand, wonach ich so lange suchte: Namen, Daten, Orte. Ich kann gar nicht sagen, wie groß meine Freude über diese 3 Kopien ist. Ich war beim Anblick sprachlos. Liebe Tante Edith, ich bin dir so überaus dankbar! Du hast keine Ahnung, was für eine große Überraschung das für mich war. Ich wünsche dir auch von dieser Stelle aus gute Besserung!
Damit habe ich einen weiteren Baustein, und wie ich finde einen für mich persönlich sehr wichtigen Baustein, für das Mosaik meiner Vorfahren. Wir werden nach Schweden fahren. Zeitpunkt noch unklar. Zielort bereits festgelegt. Ich werde sehen, wo sie lebten, welche Gegend Ururoma Inga verließ um als Dienstmädchen nach Deutschland zu gehen, auf welchen Schären die Wölfe umhergeisterten. Mein “Wikingerblut” kriegt sozusagen eine Frischzellenkur an schwedischer Luft verpasst. Wer weiß, wenn die da Ärzte suchen…
Hier sind die Daten, die ich aus dem Brief von Tante Edith aus Lübeck habe
aus der Abschrift der Übersetzung des Kirchenbucheintrags der ev.-luth. Gemeinde Aryd* in Blekinge Lehen** (Schweden): Inga, geboren am 2. März 1858, getauft am 10. März in der Gemeinde Aryd, Tochter des Kätners Per Johnsson, geb. in der Gemeinde Aryd am 21. und getauft am 25. November 1819, und seiner Ehefrau Kjersti Mansdotter, geb. in der Gemeinde Aryd am 5. und getauft am 9. Januar 1821.
In Lübseerhagen heiratete am 22. Januar 1889 das Dienstmädchen Inga Persdotter, wohnhaft auf Hof Menzendorf den Arbeitsmann August Heinrich Adolph Upahl, ebenfalls wohnhaft auf Hof Menzendorf – so stehts in der Bescheinigung der Eheschließung. (Deutschland, Kreis Nordwestmecklenburg)
Aus der Sterbeurkunde von August Heinrich Adolph Upahl, geboren zu Dorf Lockwisch, geht hervor, dass er im Alter von 76 Jahren am 12. September 1921 um 6.00 Uhr in Schönberg in der Wohnung des Schwiegersohnes Ludwig Bibow verstarb. (Deutschland, Kreis Nordwestmecklenburg)
Damit sind dann viele Fragen geklärt. Inga hieß also doch Persdotter (Eheurkunde). Und sie kam aus Aryd in der Region Blekinge (auf die Karte geguckt: östlich von Karlshamn) in Schweden. Womit wie gesagt feststeht, wo es mal im Urlaub hingeht. Und ich weiß, wie der Ehemann hieß.
Damit tauchen aber auch viele Fragen auf. Wenn die Sterbeurkunde von August Heinrich Adolph Upahl aus dem Sterberegister im Standesamt Schönberg ist, müsste doch auch der Pastor der Kirchgemeinde das eingetragen haben. Oder? Und demzufolge müsste es auch im Ortsfamilienbuch online sein, oder? Oder nicht? Wer ist August Heinrich Adolph Upahl, seine Eltern und Vorfahren, seine Geschwister? Der Namen Upahl ist sehr selten in Deutschland. Kann es sein, dass er zeitweise mit Inga auch zurück ging nach Schweden wo evtl. Alma Upahl geboren wurde? Wie komme ich jetzt am einfachsten an die schwedische Datenbank, wenn ich meine Kreditkartennummer nicht online angeben will?
* Aryd wird in der Übersetzung auch Äryd geschrieben. Auf Schwedisch kommt über das A ein kleiner Kreis. Aryd gehört heute zur Kommune Karlshamn und war früher eine eigene Kirchengemeinde (församling).
** Blekinge Lehen heißt im Schwedischen Blekinge Län und ist eine Region in Südschweden (Götaland)