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Eine Reise nach Eriksberg III 16. Juli 2009

Posted by oldoerpancestors in Allgemein, Meine eigenen Vorfahren - my own ancestors.
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Fortsetzung…

Inzwischen beherrsche ich das Jonglieren mit 3 verschiedenen Kameras (wegen der Objektive und der fehlenden Zeit zu wechseln) nahezu perfekt. Japanische Fotonitis extrema… Wir fahren den Weg von Utsikten zurück bis zur Kreuzung und biegen nach rechts in Richtung Eriksberg Hof ab. Dieses Jahr finden Umbauarbeiten im größeren Umfang statt. Eriksberg Vilt och Naturpark wurde an einen neuen Investor verkauft. So wie die Info-Tafeln aussehen, wird hier ab nächstes Jahr wohl das große Geldverdienenen losgehen. Der Parkplatz wurde verlegt, so dass wir etwas laufen müssen, um den Hof zu erreichen. Einige Gebäude kann man besichtigen. Ausgestopfter Elch, Bär, Hirschgeweihe… Ein wenig zum Umweltschutz, eine Indoor-Kartbahn für Kinder… Etwas seltsam mutet die Zusammenstellung schon an. Was hat eine Kartbahn in einem Wild- und Naturpark zu suchen? Irgendwie erinnert mich das alles an einen Erdbeerhof in der Nähe Rostocks, der inzwischen eine Art Disneyland mit überhöhten Preisen geworden ist. Ich fürchte, das steht Eriksberg wohl auch bevor. Einen Blick auf das Gutshaus erhaschen wir auch.

Die Wolken brauen sich weiter zusammen. Inzwischen kommen kühlende, aber heftige Windboen. Als wir den Hof verlassen, flüchtet eine Herde Hirsche durch hohes Sumpfgras hinter einen Felsen. Man kann nur noch die Geweihe sehen… lustig siehts aus. Wir folgen dem Rundweg weiter und gelangen schließlich nach Kyrkesta. Hier hat man in einer Hütte eine Art kleines Heimatmuseum eingerichtet. Die Autorin und Historikerin Bibbi Brorsson hat Fotos und die Geschichte der einzelnen Torpen, die zum Gut Eriksberg gehörten, zusammengetragen und hier ausgestellt. Man kann auf einem Rundweg zu Fuß etwa 400 m lang an den Resten der alten Torpen vorbeigehen, die hier gestanden haben. Sie sind exemplarisch für die anderen auf diesem großen Areal, darunter auch Kroksvik und Räfvakas / Rävakas. Auch hier machen wir Fotos. Doch es fallen die ersten Tropfen. Was sich da oben in der Hitze des Tages über uns zusammenbraut sieht gefährlich aus. Dunkelblaue, schwarze Wolken und Windboen. Die Sonne ist fast hinter den Wolken verschwunden. Ausgerechnet an dem Punkt, wo es für mich am interessantesten wird, müssen wir die ganze Aktion abbrechen. Meine Laune hat sich verfinstert wie die Wolken über mir. Regen oder auch Gewitter wäre ja nicht so schlimm. Man könnte es abwarten. Aber unser Auto hat bei Hitze, Staub, Erschütterungen plötzlich Probleme mit der Elektronik. Wir kriegen eines der vorderen Fenster nicht mehr zu, weil der elektrische Fensterheber ausgefallen ist. Vor uns liegen aber noch über 150 km Fahrt auf einer Europastraße und oben geht gleich ein Mordsgewitter los. Wir flüchten quasi ausrechnet an dem Punkt, der uns eigentlich hierher geführt hat. Welche Ironie. Mit einer enormen Geschwindigkeit habe ich in der Hütte fotografiert und springe ins Auto. Zurück gehts zum Ausgang. Dort laufe ich, während bereits vereinzelt Tropfen kommen, zum Kassenhäuschen und hole mir das Buch, was ich unbedingt haben wollte: “Eriksberg. Ett säteri i Blekinge genom 350 ar”. Die junge Verkäuferin weist mich darauf hin, dass es in schwedisch geschrieben sei. Ich erkläre ihr, dass ich ein wenig schwedisch spreche und sonst auch jemanden hätte, der mir beim übersetzen helfen kann. Sie macht sich Sorgen und empfiehlt mir ein gutes Wörterbuch und hofft, dass ich es verstehen werde. Ja, wie heißt es so schön in der Werbung “Eriksberg erleben unbezahlbar, für alles andere gibt es … -Card.” Von der Verkäuferin lasse ich mir noch den Weg zur nächsten Bilverkstad erklären. Jedoch hat diese schon zu, denn es ist inzwischen Freitag um 16.30 Uhr. Wir waren knapp 3 Stunden im Park.

Plötzlich kommt eine starke Windboe und weht den Sand quer über den Platz. Ich stehe in einer Staubwolke. Wir dichten das Fenster mit einer Frostschutzfolie notdürftig ab und rollen zurück Richtung Aryd. Auf dem Weg setzt das Gewitter ein. Starkregen prasselt auf uns hernieder. Wir fahren trotz allem zur Bilverkstad im Gamla Riksvägen. Doch dort ist erwartungsgemäß zu. Was soll ich sagen? Der ADAC-Auslandsservice funktioniert top. Uns wurde problemlos geholfen. Anderthalb Stunden später verlassen wir Aryd, den Gamla Riksvägen und fahren wieder auf die Europastraße.

Auf dem Rückweg denke ich nach. Die Natur ist einfach wunderschön, atemberaubend. Aber wenn man auf Landwirtschaft angewiesen ist, sind die Felder verdammt klein und in der Zahl sehr begrenzt. Die Zeit damals muss schwer gewesen sein. Zurück im Ferienhaus lese ich in dem Buch. Dort erfahre ich, dass Ururoma Inga Persdotter nach dem Tod der Eltern 1886 einer Witwe Obdach gegeben hat. Ich lese, zu welchen Konditionen die Torpare damals die Hütten bewohnen durften. Ingas Eltern haben die Hütte selbst gebaut, aber sie gehörte dem Gutsbesitzer. Sie mussten so und soviel Tage im Jahr arbeiten für das Gut, dazu noch Dünger fahren, Wege ausbessern, die Steuern selbst zahlen etc. Wenn sie sich nicht daran hielten, konnte der Gutsherr sie vor Gericht bringen. Tja, und dann finde ich dort noch den Inhalt des Vertrages mit Ola Hakansson. Er war der “Nachnutzer” von der Hütte, die Per Johnsson und Kjersta Mansdotter gebaut hatten. Der Vertrag beginnt am 1.1.1888, zu einem Zeitpunkt, als Inga noch in der Hütte lebte zusammen mit der Witwe, der sie Obdach bot. Inga ging nach Deutschland Ende Oktober 1888. Drei Tage später zog Ola Hakansson in die Hütte ein. Ola Hakansson konnte übrigens nicht schreiben, er unterschrieb mit den Anfangsbuchstaben, der Rest wurde von der Frau des Gutsbesitzers geschrieben.

Ich denke, dass Inga nach dem Tod der Eltern die Dienstleistungen nicht mehr erbringen konnte, die für das Bewohnen der Hütte gefordert wurden. Sie war unverheiratet, was es sicher nicht einfacher machte. Zudem wurde die Hütte an den nächsten gegeben, obwohl sie noch drin wohnte. Viel Landwirtschaft war in der Region sowieso nicht drin bei den kleinen Feldern, die auch nur in begrenzter Zahl da waren. Der felsige Boden tat sein übriges. Dagegen war und ist Skane ja ein reiches Gebiet Schwedens mit ertragreichem Boden und riesigen Feldern. Tja, und genau zu dieser Zeit war der Höhepunkt der Auswanderungswelle. Der Weg der Auswanderer führt von Kronoberg Län / Smaland genau den Gamla Riksvägen lang nach Karlshamn. Dort war damals einer der größten, wenn nicht der größte Auswandererhafen Schwedens. Viele gingen erstmal nach Deutschland, unter der Vorstellung, sich dort Geld für das Ticket nach Amerika zu verdienen und dann über Bremerhaven oder Hamburg in die USA auszuwandern. Inga sah wahrscheinlich ihre Situation und die Menschen, die auf der Straße an Aryd und Hällaryd vorbei nach Karlshamn zogen. Die Lösung lag quasi nahe. Ich kann nicht sagen, dass man Inga rausekelte, weil sich sicherlich nirgends die genauen Umstände herausfinden lassen, aber sicherlich waren da nicht viele Gründe zu bleiben. Sie verließ diese wundervolle Natur aus Felsen, Wasser und Wald, weil sie wohl kaum eine andere Wahl hatte.

Kommentare»

1. Arne Nilsson - 16. Juli 2009

Ist das Fahrzeug ein Golf III? Dann kommt mir die Fensterhebergeschichte bekannt vor. Die haben da nämlich ein konstruktives Teil in der Tür aus Ersparnisgründen statt, wie eigentlich vorgesehen, aus Gussmetall aus Kunststoff gefertigt. Das gibt irgendwann den Geist auf und blockiert, entzwei gebrochen, die Mechanik. Fenster ist dann ganz unten und lässt sich nicht mehr hochfahren.


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