Spuren (m)eines Urgroßvaters März 23, 2008
Posted by oldoerpancestors in Meine eigenen Vorfahren - my own ancestors.Tags: Ahnenforschung, Oldörp
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Dass mein Urgroßvater Ludwig Oldörp hieß, haben wir in der Familie schnell herausgefunden. In der Datenbank des Vereins für Computergenealogie mit den Ortsfamilienbüchern des Fürstentums Ratzeburg (siehe Linkleiste) erfuhren wir dann weitere Details. Es gibt drei Einträge: OFB Schönberg, OFB Selmsdorf, OFB Herrnburg.
Aus diesen Dingen lässt sich rekonstruieren, dass mein Urgroßvater
Ludwig August Heinrich Oldörp am 18.11.1873 in Bechelsdorf / Mecklenburg geboren wurde. Seine Eltern waren Joachim Heinrich Oldörp (geb. 21.06.1838 in Groß Mist) und Catharina Dorothea Wiese (geb. 09.01.1844 in Schlagbrügge). Mein Urgroßvater wurde in Schönberg am 25.11.1873 getauft (in der netten Kirche gleich in der Nähe der Hinterstraße). Er lebte in Bechelsdorf und Selmsdorf, betrieb dort die Büdnerei 7 und war auch Maurer. Es gibt laut OFB-Datenbank einen Brief, der bestätigt, dass er die Büdnerei im Februar 1900 erhielt. Am 9.11.1900, also ein Dreivierteljahr später, heiratete er Anna Maria Elisabeth Wilhelmina Rohde (geb. 11.01.1874 in Selmsdorf). Sie waren beide fast gleich alt, unterschieden sich nur in 2 Monaten. Zusammen hatten sie 3 Kinder: Ludwig (geb. 1901), Minna (geb. 1904) und einen Nachzügler Hans Ludwig (geb.1913, das genaue Geburtsdatum in der OFB ist falsch). Update am 26.06.08: Dank zweier Familienmitglieder wissen wir jetzt mehr. Es gab insgesamt 5 Kinder. Ludwig (geb. 1901), Minna (geb. 1904), Heinrich (vermutlich geb. 1908), Hans-Ludwig (geb. 1913, genaues Geburtsdatum in der OFB ist falsch) und Elisabeth (Geburtsdatum unbekannt).
Mein Urgroßvater wurde eingezogen und diente als Obergefreiter im 1. Weltkrieg. Er starb mit 42 Jahren am 17.07.1916 in Brüssel bzw. dort in der Nähe. So ist es im OFB Schönberg zu finden. Das OFB Selmsdorf und Herrnburg geben nur ungenau den Ort Selmsdorf an ohne ein Datum. Nach einigen Recherchetipps ging ich heute auf die Seite des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Dort gibt es eine Datenbank. Obwohl ich meinen Urgroßvater nie gesehen habe und mir die Daten bereits bekannt waren, war ich doch erschüttert, als ich seinen Namen und die weiteren Angaben dort fand. Das Todesdatum und -ort waren identisch. Nach Angaben der Datenbank des Volksbunds Dt. Kriegsgräberfürsorge ist er begraben in der Kriegsgräberstätte Brüssel-Evere in Belgien, Endgrablage Block 4 Reihe 1 Grab 30. Ich war immer, warum weiß ich nicht, im Glauben, dass er bereits in Selmsdorf begraben wurde. Doch mein Vater erklärt mir gerade, dass dem nicht so ist. Die Familie hat damals nur eine schriftliche Mitteilung erhalten. Minna, seine Tochter, wusste immer noch den genauen Ort, wo er ums Leben kam. Es hat nie jemand aus meiner Familie bzw. von seinen Nachfahren jemals geschafft, zu seinem Grab zu fahren und ein paar Blumen niederzulegen. Zwischen Selmsdorf und Brüssel liegen mehrere hundert Kilometer. Nach dem Krieg konnte es sich keiner finanziell leisten und später gab es die Grenze. Um ehrlich zu sein, ich bin jetzt etwas traurig und wie gesagt auch erschüttert. An dieser Stelle begegnen sich Weltgeschichte und Familiengeschichte mit dem Schicksal eines Einzelnen. Es bleibt wohl nur, sich für die Zukunft eine friedliche Welt zu wünschen.
Ich finde es gut, dass es Vereine wie den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gibt, die sich sowohl den Gräbern als auch der Datenerfassung zur Klärung einzelner Schicksale angenommen haben. Ohne diese Datenbank (und den kostenfreien Zugang) wäre ich nicht an die Infos gekommen.
Sollte ich irgendwann mal in der Nähe von Brüssel sein, dann werde ich wahrscheinlich diesen Friedhof suchen und ein paar Blumen mitnehmen, auch wenn es über 90 Jahre her ist. Es ist schon seltsam. In anderen Familien leben 4 Generationen und die Uroma macht Babysitting für die Urenkel. In unserer Familie liegen so viele Jahre dazwischen.
PS an meine Verwandten: Wenn wir mal ein Foto von ihm finden, stellen wir es hier rein.
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